Das ganze Potenzial der Natur nutzen

Auf kahlen Flächen finden wir jetzt noch gelegentlich hohe trockene Pflanzenstengel mit bizarren kolbenartigen Distelköpfen. Es sind die abgestorbenen Reste der wilden Karde. Die Karde sieht zwar aus wie eine Distel, ist es aber nicht.

Die dekorative Pflanze gehört zu einer eigenen Pflanzenfamilie und besticht durch zahlreiche Inhaltsstoffe, die in der Volksheilkunde sowie von naturheilkundlichen Ärzten angewendet werden. Die wichtigsten Heilkräfte stecken in ihrer Wurzel, die u.a. bei Hautkrankheiten, Gelbsucht, Magen- und Darmbeschwerden hilfreich sein können. Daß die Karde auch bei Borreliose wird bezweifelt.


Die Grüne Liste der natürlichen Medikamente und Heilmethoden

Das Standardwerk mit mehr als 30-jähriger Tradition!
Die aktuelle und völlig überarbeitete Ausgabe 2017/18

Der klare Aufbau dieses Ratgebers garantiert, dass Sie das richtige Heilmittel schnell finden. Kurt Allgeier präsentiert Ihnen zu jedem Problem mehrere natürliche Medikamente beziehungsweise Heilanwendungen. Dabei stehen an erster Stelle diejenigen, die sich erfahrungsgemäß am besten bewährt haben.

Dieses Standard-Nachschlagewerk macht es Ihnen damit leicht, natürliche Heilmittel ohne schädliche Nebenwirkungen effektiv einzusetzen.


Früher wurden die getrockneten, stacheligen Kardenköpfe zum Karden (Kämmen) der Wolle benutzt, eine wichtige Vorbereitung vor dem Spinnen zu Garn.

Ursprünglich kommt die wilde Karde vermutlich aus dem Mittelmeer-Raum und hat sich über mehrere hundert Jahren ohne Zutun des Menschen in ganz Mitteleuropa verbreitet. Heute finden wir sie von der Türkei, über Nordafrika und die Kanaren ebenso wie in vielen mittel- und südeuropäischen Ländern und auch auf den Lehm- und Kalkflächen in unserem Raum, besonders auf Brachflächen, an Ufern und Wegen. Da sie lehmige Standorte bevorzugt, gilt sie auch als Zeigerpflanze für Lehmböden.

Neben der wilden Karde (Dipsacus fullonum) kennen wir die Weber-Karde sowie die behaarte Karde. Die Weber-Karde wird gelegentlich noch zur Herstellung von Naturstoffen (z.B. Filz) eingesetzt, wohingegen die behaarte Karde gelegentlich als Zierpflanze in Gärten anzutreffen ist.

Im ersten Jahr bildet die Karde dicht am Boden eine Blattrosette. In dieser Vegatationszeit werden wichtige Nährstoffreserven gebildet, die die Pflanze in der Wachstumsphase des zweiten Jahres benötigt. Die Blätter der Rosette sind filigran gezähnt und haben eine lanzettliche Form.

Die Blütezeit ist im zweiten Jahr zwischen Juni und September. Dabei bildet die Pflanze an ihrem eiförmigen, kolbenartigen Blütenstand weißliche bis violette Blütenblatter. Der Blütenstand trägt eine Vielzahl stacheliger, borstiger Hüllblätter, die an die distelähnliche Form erinnern. Aus den Blüten entstehen dunkle Nussfrüchte, in denen jeweils nur ein Samen enthalten ist. Jede Pflanze produziert bis zu 2000 Samen.

Karden sind beliebte Pflanzen für Insekten, allen voran für Hummeln, Bienen und Schmetterlinge.

Die „Kardendistel“ war schon im Altertum und im ganzen Mittelalter ein bekanntes und häufig verwendetes Heilkraut.

Heute werden Blätter und Wurzeln noch immer bei inneren und äußeren Beschwerden verwendet. Vor allem bei Erkrankungen der Verdauungsorgane, aber auch zur Wundheilung und verschiedenen Hautkrankheiten. Nachgewiesen sind ihre entzündungshemmenden, harntreibenden, schweißtreibenden und antioxidativen Eigenschaften.

Tinkturen aus der Kardenwurzel werden bei der naturheilkundlichen Behandlung von Borreliose eingesetzt.

Borreliose ist eine besonders perfide Krankheit, die zumeist durch Zeckenbisse übertragen wird. Die Keime sind sehr robust und legen ohne Schwierigkeiten unser Immunsystem lahm. Die Borrellien vermehren sich ohne medikamentöse Behandlung nahezu ungehemmt, verteilen sich im gesamten Körper, bis die Krankheit plötzlich weg zu sein scheint.

In diesem Stadium kann die Borreliose nur noch sehr schwer behandelt werden.

Auf die vermeintliche Wirkung der Karde gegen Borrelliose ist kein Verlass.

Es gibt sehr viele Menschen, die durch eine verschleppte Borreliose aus ihrer Jugend die chronische Phase erreicht haben und sich als letzten Strohhalm an das »Wundermittel« aus der Wilden Karde klammern. Da allerdings die chronischen Ausbrüche der Krankheit immer mal wieder schwächer oder symptomlos verlaufen, wird das vermeintliche Verschwinden der Krankheit auf die Karden-Wirkung geschoben.

Solche Informationen aus »Kräuterführern« völlig unreflektiert und unüberprüft abzuschreiben und zu veröffentlichen ist verantwortungslos und verbreitet lebensgefährliche Fehlinformationen.

Wie die Spätfolgen aussehen, ist kaum vorherzusagen. Erst Monate oder Jahre, teilweise Jahrzehnte nach der Infektion kommt es zu chronischen Beschwerden. Dauernde Müdigkeit, Depressionen, Nervenschäden, Arthritis, Tremor, Gelenkschäden, Meningitis, Herzbeschwerden, Enzephalitis, Empfindungsstörungen und viele weitere Überraschungen warten dann auf den Erkrankten.

Wer betroffen ist, sollte schnellstens seinen Arzt aufsuchen und eine sachgerechte Behandlung beginnen.

Fotos: pixabay.com

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