Rottet sich die Menschheit selbst aus?

In Deutschland sind – einer Auswertung aktueller Roter Listen zufolge – bereits über 41 Prozent der Schmetterlinge ausgestorben oder bestandsgefährdet. Allein in der Region rund um Trier sind die Artenzahlen bei Schmetterlingen in den letzten 40 Jahren dramatisch zurückgegangen. Bei Wildbienen sind heute deutschlandweit mehr als die Hälfte der 561 Arten in ihrem Bestand bedroht, mit steigender Tendenz.

Nach Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen hat sich die Biomasse der Fluginsekten seit 1989 mancherorts um bis zu 80 Prozent reduziert. Nicht nur die Zahl der Arten, sondern auch die der Individuen befindet sich in einem dramatischen Sinkflug.

Der Rückgang bei Fluginsekten in Schutzgebieten wurde als Trend über alle untersuchten Standorte hinweg erkannt. Dieser Verlust ist nicht spezifisch für bestimmte Biotoptypen, er betrifft vielmehr das ganze Offenland. Die ermittelten Biomasseverluste betragen für die Sommerperiode 81,6 Prozent (79,7 bis 83,4 Prozent) und für die Vegetationsperiode von April bis Oktober 76,7 Prozent (74,8 bis 78,5). Die Verluste in der Sommerperiode sind höher, da die Insektenbiomasse in diesen Monaten am höchsten ist. Die Ergebnisse bestätigen auch, dass die bekannten Rückgänge von Artengruppen wie Schmetterlingen, Wildbienen und Nachtfaltern einhergehen mit den drastischen Biomasseverlusten bei Fluginsekten. Dies betrifft nicht nur seltene und gefährdete Arten, sondern die gesamte Welt der Insekten.

Eine Welt komplett ohne Insekten ist eigentlich undenkbar. Dann würden Tierkadaver herumliegen, weil sie nicht mehr von Insekten zersetzt werden.

An sauberes Trinkwasser wäre ebenfalls kaum zu denken. Denn Insekten sorgen dafür, dass das Wasser sauber blebt. Sie speichern wichtige Nährstoffe im Boden. So wird das Grundwasser nicht verschmutzt. Und im schlimmsten Fall könnte der Mensch ohne Insekten sogar blind werden.

Sterben Kulturpflanzen aus, die die Vitamine A, C und E sowie Calcium und Eisen produzieren aus, könnte sich das unter anderem durch das fehlende Vitamin A auf die Sehfähigkeit auswirken. Auch die Entwicklung des Nervensystems wäre betroffen. (Quelle)

Der NABU hat acht beeindruckende Insektenfakten zusammengetragen, die zeigen, warum wir den Kleinsten der Umwelt größeren Respekt zollen sollten:

1. Wenn es keine Insekten mehr gibt, werden wir blind

Viele der Kulturpflanzen, die Vitamine A, C und E sowie Kalzium und Eisen produzieren, wachsen nur, wenn sie von Insekten bestäubt werden. Vitamin A ist nicht nur für die Entwicklung der Augen und das Sehen an sich verantwortlich, sondern auch für andere lebenswichtige Funktionen des Körpers, wie zum Beispiel die Entwicklung des Nervensystems, die Bildung der roten Blutkörperchen und den Eiweißstoffwechsel. Ein Mangel verursacht Infektionsanfälligkeit, trockene Haut und Haare, Nachtblindheit und verringertes Sehvermögen. Alarmierend: Durch den zunehmenden Rückgang der bestäubenden Insekten ist ein Verlust von 40 Prozent der pflanzlich erzeugten essentiellen Nährstoffe zu befürchten.

2. Dank der Insekten haben wir sauberes Trinkwasser

Insekten und Insektenlarven sorgen dafür, dass unser Trinkwasser sauber bleibt. Sie speichern wichtige Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor im Boden, die unser Grundwasser sonst verschmutzen würden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn nicht zu viel Stickstoff auf die Felder gelangt und die biologische Vielfalt in den Böden erhalten bleibt.

3. Ohne Insekten ist der Sonntagsbesuch bei Oma nur halb so lecker

Ein Kaffeeklatsch ohne Apfelkuchen? Klingt fad und traurig – und so wäre es auch, wenn es keine Insekten gäbe. Sie sind in Europa die wichtigsten Bestäuber und auch verantwortlich für die Bestäubung von Obst- und Gemüsepflanzen. Ohne die Bestäubungsleistung von Insekten wie Honig- oder Wildbienen würde die Erntemenge um bis zu 90 Prozent einbrechen!
Weltweit gibt es über 20.000 Wildbienenarten, in Deutschland etwa 550. Nahezu alle von ihnen sind auch Bestäuber. Zur zweitwichtigsten Bestäubergruppe zählen Fliegen, aber auch Schmetterlinge, Wespen oder Käfer leisten einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung.

4. Ohne Insekten müssten wir quasi nackt rumlaufen

Viele Pflanzen, aus denen wir unsere Kleider herstellen, sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Baumwolle und Leinen werden beispielsweise durch Insekten bestäubt. Wolle wird aus dem Haar von Tieren hergestellt, die auf pflanzliche Nahrung angewiesen sind – diese sind wiederum auch oft insektenbestäubt.

5. Ohne Insekten waten wir durch Tierkadaver

Viele bodenlebende Insekten, zum Beispiel Ameisen, Fliegenlarven oder Käfer, sorgen dafür, dass tote Tiere zersetzt und zu neuen Lebensräumen für Bakterien, Pilze und andere Lebewesen werden. Diese sorgen dann dafür, dass die Nährstoffe im Boden gespeichert werden und dem natürlichen Kreislauf wieder zur Verfügung stehen.

6. Insekten sind Helden im Kampf gegen multiresistente Keime

Viele Insekten sind in der Lage, sich erfolgreich gegen Viren und Bakterien zu schützen. Dieses Potential beginnt auch die medizinische Forschung zu entdecken. So produzieren zum Beispiel Schaben ein Antibiotikum, das gegen multiresistente Bakterien wie Staphylococcus aureus wirkt. Viele chemische Verbindungen, die von  Insekten produziert werden, sind außerdem potentielle Mittel gegen Krebs und andere Krankheiten.

7. Manche Insekten haben Frostschutzmittel im Blut

Wer hat’s erfunden? Die Natur! Einer der bekanntesten Tagfalter, der Zitronenfalter, übersteht den Winter dank eines natürlichen Frostschutzmittels in seinem Blut, durch Glycerin. Ebenso überleben Marienkäfer dank einer ähnlichen Flüssigkeit im Blut den Winter weitgehend unbeschadet.

8. Warum wir eine Sprache weniger sprechen, wenn es keine Insekten mehr gibt

Wie sagt man doch? Blumen sind die schönste Sprache der Welt. Wir wären um eine romantische Geste ärmer, wenn wir sie nicht mehr hätten. Schließlich hängen fast alle blühenden Wildpflanzen von der Bestäubung durch Insekten ab.


Global Gardening. Bioökonomie neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft?

Autoreifen aus Löwenzahn, Plastik aus Kartoffeln, Sprit aus Zucker oder Flugkerosin aus Algen: von einer »wissensbasierten Bioökonomie« erhoffen sich deren Förderer Lösungen für die zentrale Frage des 21. Jahrhunderts. Wie können in Zeiten des Klimawandels immer mehr Menschen von immer weniger Ressourcen mit Nahrung, Energie und Materialien zugleich versorgt werden? Dabei konkurrieren Getreide und Futtermittel, Energiepflanzen, Fasern und Naturlandschaften für den Erhalt der Biodiversität schon jetzt um Flächen, Wasser und Boden. Wer in Ministerien, Konzernlaboren und Biotechnologie-Startups nachfragt, stößt auch auf andere Interessen:an neuen Forschungsgeldern, Produktideen, Märkten und der Sicherung der Ressourcen in Entwicklungsländern. In Zukunft soll die synthetische Biologie Lebensformen neu konstruieren. Ist Bioökonomie also ein »totalitärer Ansatz«, wie Kritiker warnen oder sind neue Technologien sinnvoll? Wie müssen sich Handelsregeln, Forschungspolitik und Agrarsubventionen ändern, damit globale Vielfalt erhalten bleibt? Und wer entscheidet darüber? Die Journalistin Christiane Grefe ist diesen Fragen nachgegangen, hat mit Politikern gesprochen, mit Ökologen, Naturschützern und Bauern. In spannenden Reportagen, Streitgesprächen und Analysen zeigt sie die Risiken wie die Chancen der Bioökonomie und wie nötig eine Debatte darüber ist, welche Natur wir in Zukunft wollen.


Monsanto selbst behauptet bis heute, dass Roundup und Glyphosat für den Menschen und die Umwelt unbedenklich seien:

„Comprehensive toxicological studies […] demonstrated that glyphosate poses no unreasonable risk to people, the environment, or pets when used as directed on the label.“

Da Monsanto nicht nur Roundup verkauft, sondern auch das Saatgut für Pflanzen, die dagegen resistent sind („Roundup Ready Crops“), verdient der Konzern gleich doppelt. Gleichzeitig macht Monsanto mit dieser Strategie Bauern auf der ganzen Welt von sich und seinen Patenten abhängig.

Bayer und Monsanto wollen künftig zusammen gehen.

Beitragsfoto: pixabay.com

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Kommentare (1)

  1. …..für diesen fürchterlichen Zustand geht kaum jemand auf die Strasse um auch gegen Monsanto + Bayer zu demonstrieren.
    WARUM? Wohl weil der „Krone der Schöpfung“ das Bewusstsein dafür fehlt…..!

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